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Ratgeber

„Höhle der Löwen“ und Abnehmprodukte: Warum fast jede dieser Anzeigen gefälscht ist

Stand: 05. August 2026 · Redaktion Gesundheitscheck Buchen

Kaum ein Werbemuster ist so verbreitet wie der angebliche Auftritt in einer bekannten Gründershow. Das Erkennen ist einfacher, als es aussieht.

Das Muster ist seit Jahren praktisch unverändert. Sie sehen eine Anzeige in einem sozialen Netzwerk: ein bekanntes Gesicht, eine reißerische Zeile, dazu das Logo einer Fernsehsendung oder einer großen Zeitung. Ein Klick führt auf etwas, das aussieht wie ein Nachrichtenartikel. Dort steht eine Geschichte über einen Gründer, ein Produkt und eine Investorenrunde, die angeblich aus dem Häuschen war. Am Ende steht ein Link zum Shop, und der Countdown läuft.

Warum die Sendung als Aufhänger dient

Eine Fernsehsendung liefert genau das, was ein anonymer Anbieter nicht hat: Vertrauen. Wenn eine bekannte Jury ein Produkt gekauft hat, muss jemand es geprüft haben. Genau diese Abkürzung soll die Anzeige im Kopf auslösen. Sie ersetzt in wenigen Sekunden alles, was ein Produkt sonst an Belegen bräuchte.

Die Produktionsfirma der bekanntesten deutschen Gründershow weist seit Jahren öffentlich darauf hin, dass solche Anzeigen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen laufen. Mehrere der abgebildeten Personen haben rechtliche Schritte eingeleitet. Trotzdem taucht das Muster jede Woche mit einem neuen Produktnamen wieder auf, weil die Anzeigen billig sind und die Domains kurzlebig.

Der Test, der 60 Sekunden dauert

Ein echter Deal in einer Fernsehsendung ist ein öffentliches Ereignis. Es gibt eine Folge, ein Sendedatum, Berichterstattung, oft auch einen Wikipedia-Eintrag zum Unternehmen. Machen Sie deshalb genau eine Sache: Suchen Sie den Produktnamen zusammen mit dem Namen der Sendung, und schauen Sie sich an, was für Seiten dabei herauskommen.

Wenn Sie nur weitere Verkaufsseiten und keine einzige unabhängige Quelle finden, gab es keinen Auftritt. Wenn Sie eine Seite finden, die aussieht wie ein Nachrichtenportal, prüfen Sie die Adresszeile: Der Domainname stimmt bei den Fälschungen nie mit dem Medium überein, dessen Logo oben steht.

Woran Sie die gefälschte Artikelseite erkennen

  • Kein Impressum, kein Autor, kein Datum. Redaktionelle Seiten haben alle drei.
  • Kommentare, die nicht funktionieren. Unter dem Text stehen Dutzende begeisterte Kommentare, aber das Kommentarfeld nimmt nichts entgegen.
  • Jeder Link führt in den Shop. Auf einer echten Nachrichtenseite kommen Sie zur Startseite, zum Ressort, zum Archiv.
  • Die Geschichte ist austauschbar. Dieselbe Erzählung, dieselben Zwischenüberschriften, nur der Produktname wechselt.
  • Ein Preis, der nur heute gilt. Redaktionen verkaufen nichts mit Countdown.

Was hinter dem Produkt steckt

Fast immer handelt es sich um ein Nahrungsergänzungsmittel oder einen Gebrauchsgegenstand, der über eine eigene Bestellseite verkauft wird. Es gibt keine Zulassung, keine geprüfte Wirksamkeit und meist keine vollständige Zutatenliste mit Mengenangaben. Ein Investor hätte an diesem Punkt nichts zu bewerten, weil es nichts Belegbares gibt.

Das erklärt auch, warum die Produktnamen so schnell wechseln. Sobald ein Name verbrannt ist, wird ein neuer aufgesetzt, oft mit derselben Bestellsoftware und denselben Bildern. In unseren Produkt-Checks sehen Sie Dutzende Varianten desselben Musters nebeneinander.

Wenn Sie schon bestellt haben

Sie haben ein 14-tägiges Widerrufsrecht, und wenn Sie über eine gefälschte Anzeige gekauft haben, stehen Ihre Chancen zusätzlich gut, weil die Vertragsanbahnung selbst irreführend war. Wie Sie konkret vorgehen, steht in unserem Ratgeber Geld zurück nach dem Kauf. Und bevor Sie das nächste Mal auf einen Anbieter stoßen, hilft die Checkliste Fake-Shops erkennen.

Häufige Fragen

Gab es in der Sendung überhaupt schon Abnehmprodukte?

Es gab Deals rund um Ernährung und Gesundheit, aber die in der Werbung genannten Kapsel- und Pflastermarken gehören praktisch nie dazu. Ein echter Deal ist ein öffentliches Ereignis, über das berichtet wird.

Die Seite sieht aus wie eine echte Nachrichtenseite. Ist das erlaubt?

Nein. Das Nachbauen eines fremden Markenauftritts verletzt Marken- und Wettbewerbsrecht. Genau deshalb liegen solche Seiten meist auf Domains ohne erkennbaren Betreiber.

Ich habe über so eine Anzeige bestellt. Was jetzt?

Widerrufen Sie schriftlich und leiten Sie parallel das Rückholverfahren bei Ihrem Zahlungsdienstleister ein. Details stehen in unserem Ratgeber zum Widerruf.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  • Öffentliche Klarstellungen der Produktionsfirma zur missbräuchlichen Verwendung des Sendungsnamens
  • Verbraucherzentrale, Warnungen zu gefälschten Presseartikeln und Prominentenwerbung
  • Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), § 5 Irreführende geschäftliche Handlungen

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